Frau Schmidt auf Reisen

Frau Schmidt


Frau Schmidt ist meine Nachbarin. Wir leben Wand an Wand, sozusagen Schlafzimmer an Schlafzimmer, in einer Reihenhaussiedlung. Wenn ihr Mann im Keller auf seinem Didgeridoo übt, brummt es erstaunlich angenehm rhythmisch bei uns im Wohnzimmer. 


Die beiden sind eigentlich ganz nett ... glaube ich. Meistens bekomme ich sie nicht zu Gesicht. Dafür darf ich im Sommer ihren Garten gießen, die Katze füttern und den Briefkasten leeren. Im Winter fällt Garten gießen weg. Da darf ich nur noch die Post füttern und die Katze aus dem Briefkasten holen - sorry, umgekehrt natürlich.


Als mein Mann und ich damals in das Reihenendhaus eingezogen sind - wir hatten noch nicht alle Kartons ausgepackt - zogen wir eines Abends (wir wollten sicher sein, dass auch alle zu Hause sind), mit einer geöffneten Schachtel Pralinen bewaffnet, von Haustür zu Haustür aller fünf Wohneinheiten. Die gefüllten Schokoladenköstlichkeiten kamen gut an und natürlich auch, dass wir uns persönlich vorstellten. In der Schachtel waren noch zwei Pralinen, als wir bei "Schmidt" klingelten. Niemand öffnete. Auch die nächsten Tage hatten wir kein Glück. "Ja, die Schmidts wern sie net erreische, die sin immer uff Achse, Früher mit em Fliescher und jetz mit em riesische Wohnmobil. Aber mir soin ja froh, dass die ständisch unnerwegs sin. Dann versperrt des Ding ach net unser Parkplätz!", klärte mich Herr Wanderburg von der Häuserreihe gegenüber auf.


Erst knapp drei Monate später waren sie wieder im Lande. Die Pralinen waren zwar alle. Dafür lernten wir uns - und ihren schwarzen Kater "Bello" - bei einem Gläschen Sekt über den niedrigen Zaun hinweg näher kennen. Wir erfuhren, dass sie gerade von einer Deutschland-Rundreise zurückgekommen waren, am nächsten Wochenende zum sechzigsten Geburtstag ihres Bruders eingeladen seien, und sie sich nach der Feier gleich wieder auf den Weg machen würden. Vermutlich Richtung Griechenland.


Drei Tage und ein gemeinsames Essen später war ich plötzlich "House Sitterin" für das Nachbaranwesen, inklusive Post- und Katzenverwaltung. Im Gegenzug überließ mir Frau Schmidt leihweise ihre Reise-Tagebücher. Seit sie mit dem Wohnmobil unterwegs sind, nennt sie ihre doch sehr umfangreichen Werke "Logbücher". 


Ab da zog ich mich fast jeden Nachmittag an ein ruhiges Plätzchen zurück, verschlang buchstäblich die amüsante Lektüre, bewunderte die bunten Fotos und tauchte so ab in ferne Länder, grandiose Landschaften und erlebte witzige Begegnungen quasi mit. 


Wenn Sie Interesse haben, schauen Sie ab und zu mal rein. Ich darf tatsächlich einige Kostproben aus den Tagebüchern auf dieser Internetseite veröffentlichen und die wunderschönen Reisen mit Ihnen teilen.


Bleiben Sie gesund


Herzlichst 

Ihre 

Caro Berg  


Caro Berg (c) 2010

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