Fehlerprotokoll


Veröffentlichung in Eigenregie

oder

Wo kommen die Fehler her?

Mein Manuskript war fertig. 150 DIN A 4 Seiten waren es geworden. Stolze Leistung. 

Und jetzt?

Überarbeiten, die Überarbeitung überarbeiten und dann die überarbeitete Überarbeitung überarbeiten. Dabei immer wieder Fehler finden verbessern und überlesen. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass man mit offenen Augen so viele Fehler übersehen kann.

Nachdem ich nun nahezu sicher war, alle Rechtschreibverfehlungen gefunden zu haben, bekamen mehrere Personen mein Manuskript zum Lesen. Mein Werk wimmelte danach nur so von Verbesserungen in allen Farben und ich fragte mich, warum mir das nicht selbst aufgefallen war. Schließlich bin ich der deutschen Sprache und auch der Grammatik recht gut mächtig. 

Im PC verbesserte ich dann alle Fehler, wie ich dachte.

Und trotzdem. Sicherheitshalber las ich Ludger Rockys Geschichte noch einmal durch. Auf jeder 10. Seite fand ich, obwohl mein Rechtschreibprogramm keine roten Unterstreichungen mehr vorgenommen hatte, immer noch ein paar Kleinigkeiten und feilte dabei gleich an einigen Formulierungen.

Mit einem guten, fehlerlosen Gefühl machte ich mich an das ausgeklügelte Programm des Verlages, mit dem ich mein Buch veröffentlichen wollte. Die Anleitung druckte ich vorsichtshalber aus, was eine weise Entscheidung war! Sie las sich so einfach und eine spezielle PDF-Datei für den Text und das Cover zu erstellen, die dann zur Druckvorlage werden sollte, schien ein Kinderspiel zu sein. Motiviert und voller Vorfreude machte ich mich ans Werk, mein „fehlerfreies“ Manuskript zu komprimieren. Mein Sohn arbeitete im Nebenzimmer zeitgleich am Cover meines Romans.

Es dauerte keine halbe Stunde, bis ich genervt aufgab. Entweder war die Schrift zu groß, der Rand zu breit, zu schmal oder es waren Seitenzahlen vorhanden, wo sie nicht hin gehörten. Und da, schon wieder fehlte ein „b“ vor dem „in“ Mein Sohn hörte aus dem Nachbarzimmer meine "lautstarke Not" und nahm, nicht ohne resignierend durchzuatmen, die Sache in die Hand.

Und siehe da: Wie durch ein Wunder hatte ich plötzlich eine PDF-Datei, wie man sie sich besser nicht wünschen konnte. Das Manuskript hatte plötzlich anstatt 150 Seiten 244 Seiten und sah schon aus, wie ein richtiges Taschenbuch. 

Doch wo kam plötzlich schon wieder dieser Fehler her?

Fieberhaft las ich noch einmal alles durch und gab dann erschöpft auf. Ich konnte meine spannend heitere Kriminalgeschichte fast auswendig und entschied, dass es mit der Kontrollliererei irgendwann ein Ende haben müsse. So ist die „Warnung“ auf der dritten Seite des Taschenbuches entstanden.

Als Cover- und Text-PDF fertig und der Absendeknopf aktiviert waren, fühlte ich, wie sich Erleichterung in mir breit machte. Schnell bestellte ich gleich darauf so viele Exemplare wie ich brauchte, um die Besucher meiner Lesung und alle, die danach gefragt hatten mit einem Buch zu versorgen.

Noch am nächsten Tag schwebte ich einen Fußbreit über dem Boden. Bis, ja bis ich feststellte, dass ich vor lauter Aufregung die Bestellung zweimal los geschickt hatte. Wie ein Kartenhaus fiel mein Schwebezustand in sich zusammen und ich kam wieder in der Wirklichkeit an. „Alles kein Problem“, sagte die nette Dame bei der BoD-hotline, „unser Programm erkennt es, wenn innerhalb weniger Sekunden zwei Bestellungen verschickt werden und geht schon von selbst davon aus, dass da ein Versehen vorliegt. Wir hätten sowieso bei Ihnen nachgefragt.“

Elf Tage später hielt ich mein eigenes Buch in Händen und kann Ihnen mein Glück nicht beschreiben. 

Am nächsten Tag, als ich mein frisch gedrucktes Buch durch hatte, musste ich jedoch feststellen, dass meine Leser am Verkauf meiner Fehler mehr verdienen werden, als ich am Verkauf meines Buches.

Dem kann ich nur einen "Riegel vorschieben", indem ich alle Fehler in einer Neuauflage ausmerzen lasse. Allerdings könnte dadurch der "Bergsche Charme" meines Romans verloren gehen :-). 

Übrigens: Im März 2017 ist meine Kriminalgeschichte im Verlag Martina Roth Kunst-Foto-Design, www.MaRoPictures.com, erschienen.

Auf Wiederschmökern

 

Ihre

 

Caro Berg

 

 

Caro Berg (c) 2010

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