Das Juwel von Griesheim

Das Juwel von Griesheim

„Gerda, geb’ mol die Quetsche riwwer, mer misse noch e poar in de Topp werffe!“ Die Köchin sieht in ihrer Schürze aus, als wäre sie einer längst vergangenen Zeit entsprungen. In einem großen Topf kocht eine fast schwarze Masse und durch die Küche, die aus dem 19. Jahrhundert stammen könnte, zieht der Duft von heißen Früchten und einem Hauch Zimt. Die Frauen des Museumsvereins führen in "Neuwirths Haus" die Tradition fort und kochen Ladwäje. Für Nichthessen: Pflaumenmus. Wer im Griesheimer Museum den grimmig drein blickenden Museumswächter oder den knorrigen alten Museumsdirektor sucht, der wird enttäuscht. Hier haben Schorsch (Georg) Funk – genannt Knoxe-Schorsch -, der singende Museumsvereinsvorsitzende und Karl Knapp – genannt Knappe-Karl -, der erfolgreichste Hobbyarchäologe und –geologe Griesheims, viel bewirkt. Diesen beiden Urgesteinen verdanken die Bürger ihr kleines Heimatmuseum. Das im 20. Jahrhundert von einem jüdischen Geschäftsmann erbaute Haus in der Groß-Gerauer Straße 18-20 diente zuletzt als Lebensmittelmarkt, stand in den neunziger Jahren lange leer und war vom Verfall bedroht. 1995 erwarb die Stadt nicht zuletzt auf Anraten der Herren Funk und Knapp das geschichtsträchtige Haus mit seinen baufälligen Nebengebäuden, wie der „Storchennestscheune“ und „Neuwirt’s Hofraite“. Unter Mithilfe vieler fleißiger ehrenamtlicher Helfer, öffnete das Griesheimer Heimatmuseum 1996 mit einer Ausstellung über „das Leben in Griesheim“ im großen Schaufensterraum recht bescheiden seine Pforten. Für die erste heimatkundliche Ausstellung durchstöberten die Griesheimer Bürger ihre Dachböden und Keller nach Altertümern. So kamen nach und nach alte Schreibmaschinen, Küchengeräte, Möbel, Bilder, Küchengeschirr, Gartenwerkzeuge, Schmiedewerkzeuge, Spielsachen, Bücher, Tischwäsche, Weinpressen, Waschkessel, Bolleröfen und noch vieles mehr zum Vorschein. Karl Knapp, Maulwurf vom Dienst, stellte dem Museum seine Sammlung altertümlicher Kostbarkeiten – teilweise aus der Steinzeit stammend - zur Verfügung, die er selbst in der Griesheimer Gemarkung ausgegraben hat. „Nobbert, mach emol noch ebbes Speis, des longt net gonz fer die Reih!“ Die harte Arbeit, die die ehrenamtlichen und natürlich auch die professionellen Helfer die Jahre hindurch leisteten, ließen die alten Gebäude vom „Hässliches Entlein“ zum „schönen Schwan“ erblühen. Heute ist das kleine Museum ein Juwel und über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Das alljährlich stattfindende Museumsfest mit seinem mittelalterlichen Markt, erstreckt sich durch die ganze Altstadt und lockt tausende von Besuchern an. Im Sommer bieten die Ehrenamtlichen Helfer des Museumsvereins in der Hofraite und im Winter in der „warm Stubb“, für ihre Mitglieder „Weck, Worscht und Woi“ an. Schon mancher Besucher hat bei einem „Schoppe“ das Heimatmuseum schluckkräftig unterstützt. Kochen nach altem Brauch, wie zu Großmuters Zeiten, Führungen durch den Kräuter und den Bauerngarten, die Weihnachtsbäckerei, das Ladwäje(Pflaumenmus)kochen im Spätsommer und das Äpfel mosten im Rahmen des herbstlichen Kelterfestes, sind nur ein kleiner Teil des umfangreichen Angebots. Das noch junge Museum ist nach liebevoller Kleinarbeit zu einem Schatz geworden, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

 

Während der Ausstellungen ist das Museum von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Ein besonderer Service: Öffnung nach Vereinbarung! Per Telefon (0 61 55 / 82 28 54), oder per e-mail museumsverein@museum-griesheim.de. So kommen Sie in den Genuss einer ganz individuellen Führung. Der Eintritt ist kostenlos. Umfangreiche Informationen über das Museum und seine Ausstellungen finden Sie unter www.museum-griesheim.de. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

 

Caro Berg (c) 2010

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