Tradition: "Ladwäjerutsch"

Die Griesemer soawe Ladwäje - die Kust des Pflaumenmuskochens

Einen wahren Marathon müssen die Frauen des Heimatmuseumsvereins hinter sich bringen, bevor die kleine, unscheinbare blaue Frucht ihren Weg in die Marmeladengläser findet. Um 11.00 Uhr treffen sie sich in dem mit hochmodernen Küchenschränken und -geräten ausgestatteten Teil der Museums-Küche, in dem die Gerichte zugereitet werden, die jede Montag Abend im Gastraum des Heimatmuseums den Vereinsmitgliedern und deren Freunden angboten werden. Dort füllen sie die frisch gelieferten Früchte lediglich in Schüsseln. Die Tradition des Ladwäjekochens findet natürlich in dem Teil der Küche statt, der weiß gekalkt und mit Möbeln aus der Vorkriegszeit eingerichtet ist und liebevoll dekoriert wurde. Ein alter mit Holz und Kohle zu befeuernder Herd, mit seinem wuchtigen Ofenrohrund sowie zwei große Kessel, die ebenfalls mit Holz beheizt werden müssen, dominieren den Raum. Über den Kesseln auf dem Regalbrett stehen unterschiedlich große braune und graue Steinguttöpfe fein säuberlich nebeneinander aufgereiht. Vier bunt beschürzte Frauen stellen je eine prall mit Zwetschgen gefüllte Schüssel auf den schweren Holztisch, bevor sie  auf den bunt zusammengewürfelten Stühlen Platz nehmen. Jeder der ungepolsterten, mit einem bunten Kissen versehenen Holzstühle, hat seine eigene Geschichte. Nach und nach trudeln interessierte Besucher ein. Das ist gut so. Jede helfende Hand wird gebraucht, denn es gilt, 4 Zentner "Quetsche" (Zwetschgen) zu halbieren und den Kern zu entfernen. „Gott sei Dank sind es keine Johannisbeeren, die wir nur mit Hilfe einer Feder von ihren Kernen befreien können, dann würden wir in einem halben Jahr noch hier sitzen“, scherzt Vereinsmitglied Ulla Zimmer in Erinnerung an das vergangene Johannisbeerfest.

Am nächsten Tag geht’s schon morgens um 7.00 Uhr los. Das Ladwäjekochen beginnt. Auch hierzu sind Gäste herzlich eingeladen, denn die alte Tradition soll nicht verloren gehen. Doch bevor die beiden Kessel angefeuert werden, landen unter anderem Zucker und Zimt in geheimen Mengen auf den Früchten. Wer pünktlich ist und genau hinschaut, sieht, welche Zutaten in einen guten Pflaumenmus gehören. Danach heißt es: Rühren … rühren … rühren …, zwischendurch immer wieder nachfeuern ... rühren ... rühren .... rühren. Und das mindestens 10 bis 12 Stunden. Erst abends gegen 20.00 Uhr ist die Ladwäje (der Pflaumenmus) so weit, dass sie in Gläser gefüllt werden kann. Früher füllten die Frauen den süßen Mus in solche Steintöpfe, wie auf dem Regalbrett über den Kesseln. Darin ist er aber mit der Zeit meist so hart geworden, dass er nur noch mit dem Messer herausgeschnitten werden konnte. Hier wissen die Museumsfrauen Rat: Einfach vorsichtig kalten Kaffee in die feste Masse rühren, bis sie wieder geschmeidig ist. Den Kaffee schmeckt man nicht.

Schon am Nachmittag nach dem sogenannen "Ladwäjerutsch" stehen im Museum, in dessen Räumen es immer noch nach frisch gekochten Früchten duftet, die gefüllten Gläser zum Verkauf bereit. Wer mag, lässt sich zu einem Stück „Quetschekuche“ und natürlich "em hoaße Tässje" Kaffee in dem gemütlichen Gastraum nieder. 

 

Caro Berg (c) 2010

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